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Chronik der Lausitz

(Teil 2)

 

Das so verkleinerte Markgraftum, nunmehr Niederlausitz genannt, kam dann 1635 im Frieden zu Prag an Sachsen. Im Wiener Frieden 1815 wurde die Nauderlausitz schließlich, neben vielen anderen sächsischen Gebieten, Preußen zugesprochen, welches sie der nunmehr gebildeten Provinz Brandenburg, und zwar dem Regierungsbezirk Frankfurt/Oder, eingliederte. In der preußischen Zeit umfaßte sie die 7 Kreise Calau, Cottbus, Guben, Lübben, Luckau und Sorau. Nach dem 2. Weltkrieg gelangte durch die Ziehunfg der Oder-Neiße-Grenze der östlich der Neiße gelegene Teil der Niederlausitz unter Vertreibung der dortigen Bevölkerung an Polen.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Niederlausitz ein reines Agrarland, in dem Ackerbau und Viehzucht tonangebend waren. Die in den Städten ansässigen Handwerker befaßten sich überwiegend mit der Verarbeitung der im Lande erzeugten landwirtschaftlichen Produkte und der Versorgung der städtischen und dörflichen Bevölkerung.Eine große Rolle spielte dabei die Weiterverarbeitung und Vermarktung der von den vielen Schafherden produzierten Wolle durch Tuchmacher, Färber und Tuchhändler, welche Berufsgruppen in vielen niederlausitzer Städten am stärksten vertreten waren. Von Bedeutung war der vielerorts auf Moränenhügeln und Abhängen betriebene Weinbau. Stellenweise, so vor allem in Guben, wurde so viel Wein gekeltert, daß große Mengen davon in weiter gelegene Länder exportiert werden konnten, wobei untere Neiße und Oder als Schiffahrtswege benutzt wurden. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelten sich auch in der Niederlausitz seit dem Mittelalter bestehende oder damals neu eingerichtete Rittersitze durch Vereinnahmung von Bauengütern zu mehr oder weniger umfangreichen Gutsherrschaften, verbunden mit einer Vermehrung der bäuerlichen Dienste und Abgaben.
 Die Entwicklung des Landes verlief keineswegs immer in friedlichen Bahnen, eine Vielzahl von kriegerischen Ereignissen brachte Drangsalen und Rückschläge. Besonders einschneidend waren die Hussiteneinfälle in den Jahren 1429-1433 und der Dreißigjährige Krieg 1618-1648, bei dem nicht wenige Dörfer verwüstet und entvölkert wurden.
Die Agrarreformen des 19. Jahrhunderts, die nach dem Übergang der Niederlausitz an Preußen auch hier zur Ausführung kamen, brachten nicht nur die Aufhebung der Gutsuntertänigkeit und die Ablösung der bäuerlichen Dienste und Abgaben an die Guts und Grundherren, sondern auch eine umfassende Neuordnung der Fluren, die Ablösung von Nutzungsberechtigungen und die freie Verfügbarkeit der Eigentümer über ihren Besitz. In ihrem Gefolge kam es zu mitunter umfangreichen Umschichtungen in der dörflichen Sozialstruktur und zu landschaftlichen Veränderungen wie Aufforstungen von Ödland und landwirtschaftlichen Grenzertragsböden auf den Hochflächen und Rodung von Sumpfwäldern zu Wiesenland und oft tiefgreifenden Entwässerungen in den Niederungen.

    

 Um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in der Niederlausitz die Industrialisierung ein, begünstigt und gefördert durch den mancherorts in Gang kommenden Braunkohlenbergbau. Dieser erfolgte zunächst in kleineren Tage- und Tiefbauen vorwiegend durch Handarbeit, bis dann nach weitgehender Erschöpfung der oberflächennahen Lager um 1900 die maschinell betriebenen Großtagebaue mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen auf die Kulturlandschaft auf den Plan traten. In den niederlausitzer Städten mit traditioneller Tuchmacherei (insbes. Guben, Forst, Cottbus, Spremberg) entstanden zahlreiche Textilfabriken, wodurch die Niederlausitz zum Zentrum der deutschen Tuch- und Hutindustrie wurde. Die Industrialisierung ging einher mit einem Ausbau der Infrastrukturen. Bereits 1847 führte eine erste Eisenbahnlinie durch die östliche Niederlausitz, der dann bis zur Jahrhundertwende zahlreiche Haupt- und Nebenstrecken folgten, darunter auch die 1899 fertiggestellte Spreewaldbahn als einzige dem öffentlichen Verkehr dienende Schmalspurbahn (1000mm). Gleichzeitig erfolgte durch Ausbau der alten Landstraßen zu Chausseen und streckenweisen Neubau die Anlage und ständige Verdichtung und Verbesserung eines modernen Straßennetzes. Von den von 1935 bis 1939 gebauten Autobahnen führten die heutigen A 13 (Berlin-Dresden) und die am Dreieck Spreewald abzweigende A 15 quer durch die Niederlausitz. Im Zuge der um 1900 einsetzenden Elektifizierung entstanden zunächst einige kleinere Wasserkraftwerke an Neiße und Spree, welche dann durch immer größere Wärmekraftwerke auf Braunkohlenbasis ergänzt und abgelöst wurden.

    

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 13. Februar 2009 um 10:48 Uhr