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Chronik der Lausitz

(Teil 4)

 

Dichter und Schriftsteller hat die Niederlausitz nur wenige hervorgebracht, die meisten von ihnen lediglich von lokaler oder regionaler Bedeutung. Hervorzuheben sind der Gubener Bürgermeister Johann Frank (1618-1677), welcher u. a. vielgesungene Kirchenlieder verfaßte, der zur Zeit der Romantik bedeutsame Christoph Ernst Frhr. v. Houwald (1778-1845), der zuletzt in Branitz ansässige Garten- und Reiseschriftsteller Fürst Hermann v. Pückler, der aus Guben stammende Romanschriftsteller Klaus Herrmann (1903-1972), in dessen Roman 'Die guten Jahre' die Geschichte einer Gubener Fabrikantenfamilie geschildert wird, sowie der in Bohsdorf bei Spremberg aufgewachsene Erwin Strittmatter (1912-1994), der in seinem Roman 'Der Laden' die Verhältnisse in diesem Dorf in den zwanziger bis vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in vielen Einzelheiten dargestellt hat.

      

In den beiden damals größten Städten der Niederlausitz Guben und Cottbus wurden 1874 bzw. 1908 Theaterhäuser mit ständigen Ensembles und festen Spielplänen eingeweiht, von denen das Cottbuser Theater, ein Jugendstilbau, nach Kriegsschäden restauriert wurde und in Betrieb ist. Im ländlichen Raum gab es vielerlei Volksfeste, von denen die Fastnacht mit traditionellen Umzügen und Bräuchen auch heute noch mancherorts begangen wird, während sommerliche Reiterspiele wie Hahnrupfen und Johannisreiten mangels Pferden nur noch an wenigen Orten durchgeführt werden. Von den früheren Volkstrachten hat sich allein die niedersorbische Spreewaldtracht erhalten, jedoch wird deren Festtracht mit ihren charakteristischen Hauben meist nur noch zu folkloristischen Anlässen getragen.

Wissenschaftliche Bestrebungen waren in früheren Zeiten selten und traten erst seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts in Erscheinung. Sie beschränkten sich in der Hauptsache auf chronikalische Aufzeichnungen, orts- und landeskundliche Ausarbeitungen und Übersetzungen von Bibeltexten und Kirchenliedern in die niedersorbische Sprache. 1662 wurde in Guben eine erste Druckerei eingerichtet. Der 1639 in Guben geborene Gottfried Kirch, später Leiter der Sternwarte der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin, führte 1692-1700 in Guben astronomische Beobachtungen und genaue Wetteraufzeichnungen durch. Eine in den 1730er Jahren in Lübben gegründete 'Gesellschaft der Lern- und Lehrenden' hatte ebenso wie ihre Schriftenreihe 'Destinata literaria et fragmenta Lusatica' nur kurzen Bestand. Vereinzelt schon im 18. Jahrhundert, vermehrt dann aber im 19. Jahrhundert, kam vor allem die historische und landeskundliche Forschung in Gang, betrieben zumeist von Lehrern, Pastoren, Juristen und Apothekern. Neben Ortschroniken und anderen historischen Darstellungen wurden auch verschiedene Florenwerke mit Angaben über die heimische Pflanzenwelt veröffentlicht. Stärkere Aufmerksamkeit fanden nunmehr auch Sprache, Sitten und Gebräuche der niedersorbischen Minderheit. Entsprechende Forschungsergebnisse legten u. a. der Pfarrer J. G. Zwahr (1847), der Volkskundler Wilibald v. Schulenburg (1882) und der Sprachforscher Ernst Mucke vor. Die Geschichtsforschung in der Niederlausitz erhielt durch das seit 1897 erscheinende, aber bisher unvollendet gebliebene 'Urkundenbuch der Niederlausitz' und vor allem durch die zahlreichen Publikationen und Quelleneditionen des Historikers und Archivars Dr. Rudolf Lehmann (1891-1984) festere Grundlagen. Die vielerorts in der Niederlausitz aufgedeckten prähistorischen Funde, insbesondere der Bronze- bis Frühen Eisenzeit, für die der Berliner Arzt und Anthropologe Rudolf Virchow den Begriff 'Lausitzer Kultur' prägte, erregten zunehmend das Interesse der Öffentlichkeit und veranlaßten die Entwicklung der wissenschaftlichen Ur- und Frühgeschichtsforschung. Auf Anregung von Virchow gründeten 1884 hiesige Regionalforscher die 'Niederlausitzer Gesellschaft für Anthropologie und Altertumskunde' (später 'für Geschichte und Altertumskunde'), welche bis 1941 die Schriftenreihe 'Niederlausitzer Mitteilungen' herausgab. Nach einer von 1945 bis 1990 währenden, von Zwischenlösungen ausgefüllten Übergangsperiode wurde sie nach der Wiedervereinigung Deutschlands als 'Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde' wiederbegründet und ist heute mit ihren Tagungen und ihrer Schriftenreihe 'Niederlausitzer Studien' Zentrum der historisch-landeskundlichen Forschung in der Niederlausitz.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 13. Februar 2009 um 10:50 Uhr